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09.10.2020

Fast wieder auf Vor-Corona-Niveau

Die Herbst-Konjunkturumfrage des ZVEH zeichnet ein ermutigendes Bild: Die Entspannung setzt sich fort. Der Geschäftsklimaindex nähert sich bereits wieder dem Vor-Krisen-Wert an.

Obwohl ein Ende der Corona-Pandemie aktuell nicht in Sicht ist, scheint die Krise in den Elektrohandwerken bislang relativ wenig Spuren hinterlassen zu haben. Das jedenfalls legen die Ergebnisse der traditionellen Herbst-Konjunkturbefragung 2020 des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) – an ihr beteiligten sich knapp 1.400 Innungsfachbetriebe – nahe: So erreichen die Werte in vielen Bereichen bereits fast wieder das Niveau der kurz vor Beginn der Pandemie durchgeführten Frühjahrsbefragung.

Geschäftsklimaindex stark gestiegen
Eindeutiger Beweis dafür, dass sich die Stimmung in den elektrohandwerklichen Betrieben aufhellt, ist der Geschäftsklimaindex. War dieser zu Beginn der Krise auf 55,6 Punkte (1. Corona-Befragung des ZVEH) eingebrochen, so zeigte sich bereits bei der zweiten Corona-Umfrage Anfang Mai 2020 eine Erholungstendenz (70,1 Punkte). Diese setzt sich, das belegt die zwischen dem 21. und 25. September 2020 durchgeführte Herbst-Konjunkturbefragung, erfreulicherweise fort: Mit 80,1 Punkten liegt der Geschäftsklimaindex aktuell nur noch acht Prozentpunkte unter dem sehr guten Wert vom Frühjahr 2020 (88,1). Damit bestätigt sich, was sich in der zweiten Corona-Umfrage des ZVEH, bereits angedeutet hatte: Die Elektrohandwerke haben, abgesehen von dem kurzzeitigen Einbruch, bislang deutlich weniger Einbußen zu verzeichnen als andere Branchen und Gewerke. Neben der vom ZVEH gleich zu Beginn der Krise erwirkten Systemrelevanz der E-Handwerke liegt das auch daran, dass die Betriebe traditionell über zum Teil beachtliche Auftragspolster verfügen.

Auftragspolster wachsen bereits wieder
Wie die halbjährlich erfolgenden Konjunkturbefragungen immer wieder deutlich machten, kann ein großer Teil der elektrohandwerklichen Betriebe Aufträge für zwei oder sogar mehr Monate vorweisen. Diese Reserven kamen den Betrieben insofern zugute, als während des Shutdowns zunächst vorhandene Polster abgearbeitet wurden. Befürchtungen, neue Aufträge könnten nach dem Wiederhochfahren der Wirtschaft auf sich warten lassen, haben sich bislang nicht bestätigt. Stattdessen wird beim Auftragsbestand bereits wieder ein Wachstum verzeichnet.

Hatten in der Frühjahrsbefragung noch 52,9 Prozent der Betriebe angegeben, Aufträge für mehr als zwei Monate zu haben, so sind nun bei 46,4 Prozent der elektrohandwerklichen Unternehmen die Auftragsbücher wieder für mehr als zwei Monate im Voraus gefüllt. Ende März sah die Lage noch ganz anders aus. Damals konnten nur noch 25,5 Prozent der Befragten Aufträge für diesen Zeitraum vorweisen. Anfang Mai hatte sich die Situation bereits entspannt (33,9 % mit Aufträgen > 2 Monate). Der neuerliche Anstieg zeigt damit: Die Betriebe können trotz Fortdauerns der Pandemie neue Aufträge akquirieren. Die Auftragspolster nehmen wieder zu.

Positive Einschätzung der aktuellen und künftigen Geschäftssituation
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftssituation fällt, wohl nicht zuletzt aufgrund der günstigen Auftragsentwicklung, deutlich positiver aus als noch vor ein paar Monaten. 66,4 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre wirtschaftliche Situation derzeit als „gut“ (Frühjahr 2020: 78,8 %), 27,3 Prozent als „befriedigend“ (Frühjahr 2020: 18,9 %). Zum Vergleich: Zu Beginn der Corona-Krise hatten nur noch 30,1 Prozent der befragten Betriebe die Lage als „gut“, aber immerhin noch 51,0 Prozent als „befriedigend“ bezeichnet.

Die positive Entwicklung der Auftragslage wie auch das Wissen um die Systemrelevanz haben auch Einfluss auf die Einschätzung der zukünftigen Geschäftssituation. 22,1 Prozent der Befragten sind trotz Corona sogar überzeugt: Die wirtschaftliche Situation wird sich in den kommenden Monaten verbessern (1. Corona-Umfrage: 4,2 %; 2. Umfrage: 8,6 %). 61,9 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen immerhin davon aus, dass die Geschäftslage gleich bleiben wird – deutlich mehr als zum Zeitpunkt der ersten und zweite Corona-Befragung (1. Umfrage: 30,1 %; 2. Umfrage: 49,7 %). Mit einer Verschlechterung rechnen zum jetzigen Zeitpunkt nur noch 16 Prozent der Betriebe. Ende März waren es noch 67,7 Prozent. Damit gehört die sehr negative Wahrnehmung, die die Ergebnisse der ersten und zweiten Corona-Befragung bestimmte, der Vergangenheit an.

Leichte Veränderungen bei der Umsatzverteilung
Kleinere – vermutlich Corona-bedingte – Verschiebungen lassen sich hinsichtlich der Umsatzverteilung beobachten. Machten gewerbliche Auftraggeber vor der Krise 38,6 Prozent der Auftraggeber aus, sind es aktuell 37,3 Prozent. Dafür stieg der Anteil des Umsatzes, der über Wohnungsbaugesellschaften und öffentliche Aufraggeber erwirtschaftet wurde, an: im Bereich der Wohnungswirtschaft auf 13,6 Prozent (Frühjahr 2020: 12,5 %), bei der öffentlichen Hand auf 14,1 Prozent (Frühjahr 2020: 13,7 %). Eine Erklärung hierfür könnte sein, dass gewerbliche Kunden Aufträge aus Angst vor einer Infektion verschoben oder absagten. Auf dem Bau hingegen konnte, nicht zuletzt aufgrund der Systemrelevanz der Elektrohandwerke, größtenteils ungestört weitergearbeitet werden. Im Bereich der privaten Auftraggeber gab es hingegen nahezu keine Veränderungen – das Infektionsrisiko scheint hier keine größere Rolle gespielt zu haben, beziehungsweise scheinen Auftraggeber Aufträge nur in geringfügigem Ausmaß storniert oder abgesagt zu haben.

Zahl offener Stellen steigt
Dass sich die Situation in den vergangenen Monaten weiter entspannt hat, zeigt auch ein Blick auf die offenen Stellen. 56,0 Prozent der Befragungsteilnehmer gaben zum jetzigen Zeitpunkt an, offene Stellen im Betrieb zu haben. Bei der ersten Corona-Befragung waren es nur 31,9 Prozent, bei der Befragung Anfang Mai 38,2 Prozent. Der zwischenzeitliche Rückgang ist damit zu erklären, dass viele elektrohandwerkliche Unternehmen die Besetzung freier Stellen auf dem Höhepunkt der Krise zunächst aufschoben.

Obwohl der weitere Verlauf der Pandemie schwer vorherzusagen ist, scheint, analog zum steigenden Auftragsvolumen, der Bedarf an Fachkräften wieder deutlich zuzunehmen. Auch das ein Indiz dafür, dass sich die Wirtschaft weiter erholt und die Innungsfachbetriebe optimistischer in die Zukunft schauen. Am optimistischsten von allen drei, vom ZVEH vertretenen, Gewerken – auch das lässt sich anhand der Herbst-Konjunkturbefragung ablesen – sind dabei die Elektrotechniker.

Größere Betriebe besonders optimistisch
Ein differenziertes Bild ergibt die Herbst-Konjunkturbefragung hinsichtlich der Betriebsgröße. Je größer der Betrieb, desto positiver bewerten die Befragten auch ihre Geschäftssituation. So sind nur 60,3 Prozent der Betriebe mit bis zu vier Mitarbeitern der Meinung, ihre wirtschaftliche Situation sei gut. Bei elektrohandwerklichen Unternehmen zwischen 10 und 19 Mitarbeitern sind es hingegen 67,1 Prozent. Dort, wo mindestens 20 Mitarbeiter angestellt sind, sogar 74,8 Prozent. Auch hinsichtlich der Auftragslage lassen sich Unterschiede erkennen: Kleine Betriebe haben demnach geringere Auftragspolster als ihre größeren Mitstreiter.

„Unsere Herbst-Konjunkturbefragung ist von jeher ein Gradmesser für die wirtschaftliche Situation in den Elektrohandwerken. Insofern stimmt es uns zuversichtlich, dass sich sowohl der Geschäftsklimaindex als auch die Auftragslage wieder im Aufwind befinden“, so ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi: „Zwar kann keiner sagen, wie sich die Corona-Krise im Herbst und über den Winter weiter entwickeln wird. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen aber: Die E-Handwerke sind, nicht zuletzt ihrer unterschiedlichen Standbeine und der zukunftsorientierten Geschäftsfelder wegen, relativ krisenfest und damit ein Motor innerhalb der Corona-Krise. Umso wichtiger ist es unserer Ansicht nach allerdings, dass die Energiewende mit unvermindertem Tempo fortgesetzt wird und Investitionen der öffentlichen Hand nicht aufgeschoben werden.“

Hinweis: Wie die im Verlauf der Corona-Krise durchgeführten Befragungen kann – vor dem Hintergrund einer äußerst dynamischen Entwicklung der Infektionszahlen – natürlich auch die Herbst-Konjunkturbefragung nur eine Momentaufnahme liefern.

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