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05.11.2019

Gute Ansätze, aber auch Nachbesserungsbedarf

Stellungnahme des ZVEH zum Klimaschutzpaket der Bundesregierung

Handwerkerin schraubt an PV-Anlage
Bild: ArGe Medien im ZVEH

Im September hat die Bundesregierung ihr Klimaschutzpaket vorgelegt; nach Anpassungen wurde es Anfang Oktober von der Großen Koalition verabschiedet. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sieht in dem Paket gute Ansätze, hätte sich insgesamt aber ambitioniertere Ziele gewünscht. Kritisiert werden – neben der zu geringen Senkung der Stromkosten – die mangelnde Berücksichtigung von Elektromodernisierungen sowie die nicht ausreichende Förderung der privaten Ladeinfrastruktur im Bereich Elektromobilität.

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) begrüßt es grundsätzlich, dass die Bundesregierung mit ihrem Klimaschutzpaket endlich ein umfangreiches Maßnahmenpaket vorgelegt hat, das zur Erreichung der Energiewendeziele beitragen soll. Von der damit einhergehenden zunehmenden Elektrifizierung vieler Bereiche werden die Elektrohandwerke profitieren. Nichtsdestotrotz hätte sich der ZVEH insgesamt jedoch ein mutigeres Vorgehen und ambitioniertere Ziele hinsichtlich des Klimaschutzes gewünscht. Das gilt für die Senkung der Stromkosten ebenso wie für den Aufbau von privater Ladeinfrastruktur im Bereich Elektromobilität.

Der ZVEH befürwortet die Senkung der Stromkosten, mit der die Regierung der Forderung des Verbands nach einer gerechteren Verteilung der Kosten für die Energiewende nachkommt. Allerdings fällt die Senkung nach Ansicht des Verbandes viel zu gering aus. Für die Bürger ist sie somit kaum spürbar. Eine Abkehr von fossilen Brennstoffen beziehungsweise eine Entwicklung hin zu Erneuerbaren Energien lässt sich so nicht erreichen.

Der ZVEH begrüßt es zudem, dass Elektromobilität innerhalb des Paketes eine wichtige Rolle spielt. Die Maßnahmen zur Förderung der privaten Ladeinfrastruktur werden indes als nicht ausreichend empfunden. Da der Ladeprozess zu großen Teilen im privaten Bereich erfolgen wird, wären hier andere Anreize als lediglich der „Handwerkerbonus“ notwendig gewesen, um in größerem Stil zum Ausbau der Infrastruktur beizutragen. Positiv zu bewerten ist indes die Beseitigung rechtlicher Hürden im Wohnungseigentumsgesetz (WEG) und Mietrecht, weil diese den Ausbau von Ladeinfrastruktur im privaten Bereich fördert.

Erfreulich ist auch die Neuorganisation der Fördermittel in einer „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG). Die Programmentwürfe enthalten hierzu einige gute Ansätze. So will die BEG Digitalisierungsmaßnahmen zur Verbrauchs- und Betriebsoptimierung im Rahmen von Smart-Home-Lösungen (Efficiency Smart Home) zukünftig eigenständig fördern.

Was aus Verbandssicht vor dem Hintergrund der bevorstehenden starken Elektrifizierung im Klimaschutzpaket weiterhin zu wenig Berücksichtigung findet, ist die Bedeutung von Elektrosanierungen. Aktuell ist noch immer ein Großteil des Wohnungsbestandes mit elektrischen Anlagen ausgerüstet, die nicht den Anforderungen entsprechen oder die sogar komplett veraltet sind. Die Anforderungen an die Elektroinstallation als Herzstück eines Gebäudes werden – nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Nutzung smarter Technologien sowie aufgrund der mit der Energiewende verbundenen allgemein höheren Elektrifizierung – jedoch weiter steigen. Die elektrische Anlage muss darauf vorbereitet und energiewendefähig sein.

Der ZVEH setzt sich daher dafür ein, die Überprüfungen der Elektroanlage stärker als bisher zu unterstützen. Erforderlich wäre eine spezielle Modernisierungsförderung, um das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Gebäudebestandteils zu schärfen und gleichzeitig Anreize für eine Erneuerung zu schaffen.

„Rund 40 Prozent des Energieverbrauches entfallen auf den Gebäudesektor. Deshalb sollte der Blick viel stärker auf die elektrische Hausanlage gelenkt werden. Denn ohne höhere Elektrifizierung keine Energiewende, und auch der Umstieg auf Elektromobilität kann nur gelingen, wenn Stromanlagen und -netze auf die wachsenden Anforderungen ausgerichtet und energiewendefähig sind“, so Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke.

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